Aussicht von der Seilbahn
Gebäude in Tbilisi
Mittagessen
Tbilisi von oben

Viel wird gerade über Georgien gesprochen, Tbilisi als nächstes Berlin gehandelt. Die georgische Hauptstadt hat neben legendären Clubs und hippen Modedesignern wie Demna Gvasalia, der bei Balenciaga, Louis Vuitton und zuletzt Vetements designt, aber noch weit mehr zu bieten. Ich wusste ehrlich gesagt nicht wirklich etwas über das kleine Land, was sich zwischen Russland, Armenien und dem Schwarzen Meer befindet. Als ein georgischer Freund mich fragte, ob ich ihn nicht nach Georgien begleiten möchte, sagte ich sofort zu.

In Tiflis angekommen, merkt man gleich, dass eine ganz spezielle Aura die Stadt umgibt: westliche Moderne vermischt sich mit dem, was von der Sovietvergangenheit übrig geblieben ist. Daraus entsteht eine einzigartige Kultur, die sich nicht vor anderen Ländern verstecken sollte.

unsere Unterkunft
Streetart
Dry Bridge Markt
Churchkhela: georgische Süßspeise

Was man so in Tiflis machen kann

Eine Seilbahnfahrt über die Altstadt bringt uns hoch zu einem Berg, wo stolz die Kartlis Deda thront. Die Mutter Georgiens hält in der einen Hand ein Schwert, mit dem sie Feinde abwehrt und in ihrer anderen Hand Wein für ihre Gäste. Die 20 Meter hohe Statue symbolisiert damit den georgischen Nationalcharakter: sie sind extrem gastfreundlich, aber gleichzeitig kampfbereit, sollte ihre Freiheit in Gefahr sein. Oben auf dem Berg hat man die beste Sicht über die ganze Stadt. Ein fünfzehnminütiger Spaziergang bergab bringt uns zum traditionellen traditionelles Restaurant Machakhela (23 Tumaniani Str), wo es an Speis und Trank alles gibt, was das Herz begehrt. Nach der ganzen Völlerei musste natürlich ein Verdauungsspaziergang gemacht werden im, wir laufen also zum Wasserfall Leghvtakhevi, wo die vielen Frösche mit ihrem Gequake abends eine wahre Symphonie darbieten.

Am nächsten Tag besuchten wir den Dry Bridge Markt, der voller Erinnerungsstücke an sowjetische Zeiten und anderen Schätzen ist, und die Fabrika (8 Egnate Ninoshvili St), eine ehemalige Nähfabrik, die heute ein Hostel, Cafes und Shops behaust und wo ab und zu Events stattfinden. Gen Abend machten wir uns auf zum Mtatsminda Vergnügungspark, zu dem man auch mittels Seilbahn hochkommt. Alternativ kann man aber auch die gefühlt dreihunderttausend Treppen nehmen – für diese Variante entschieden wir uns unfreiwillig, da wir den Eingang zur Seilbahn nicht fanden. Aber nach dem Verzehr zahlreicher Khachapuris vielleicht die bessere Fitnesswahl. Im Freizeitpark gibt es Karussells, Wasserrutschen und eine tolle Achterbahn, von der man eine brillante Aussicht auf die Stadt hat, vor allem bei Sonnenuntergang. Nach dem ganzen Nervenkitzel, stärkten wir uns mit einen paar georgischen Snacks im Funicular Restaurant.

Es hat sich ja mittlerweile schon rumgesprochen, dass man in Tiflis gut weggehen kann. Freitagnacht verbrachten wir im Bassiani und Samstagnacht im bei seinem Rivalen und neuerem Club Khidi. Im Khidi spielte der Freund meiner Freundin und ich lernte sogar die Besitzer kennen. Beide Clubs buchen lokale sowie ein internationales DJs, das Line Up kann definitiv weltweit mithalten und ein feierwütiges Publikum dankt es ihnen. Der Soundfetischist in mir war auf jeden Fall durch die Function One Anlagen im siebten Himmel. Die Clubs der Stadt fungieren als sichere Zone und Zufluchtsort für alle, egal welcher Kultur oder Religion man angehört oder welche sexuelle Orientierung man hat. Das ist vor allem wichtig in einem Land, wo Homophobie immer noch ein großes Problem ist. Ein weiteres Problem ist die schonungslose Drogenpolitik. Anstatt das Geld in die Heilung von Drogenabhängigen zu investieren, macht die Regierung den Bürgern mit Razzien in Clubs und inhumanen Strafen Angst. In Tbilisi konnte ich einer großen Demonstration dagegen beiwohnen, organisiert von der Aktivistengruppe White Noise. Letztes Jahr saß ein Musiker für den Besitz von Gras sieben Jahre Gefängnis, dieses Jahr wurde aber ein neuer Gesetzesentwurf verabschiedet in dem Gras legalisiert wurde. Macht zwar null Sinn, aber ist immerhin eine Verbesserung.

Kartlis Deda ქართლის დედა
Fabrika
Restaurant Shave Lomi
Straßenszene

Essen und Trinken wie ein georgischer Gott

Eine Sache, auf die ich überhaupt nicht vorbereitet war, war die sensationelle georgische Küche. Ein absoluter Geheimtipp, der sowohl Vegetarier als auch Fleischesser begeistert und von dem überraschenderweise kaum einer weiß. Komischerweise habe ich drei Tage gebraucht um zu lernen wie man auf Georgisch danke sagt („madloba“), meine Lieblingsspeisen, konnte ich allerdings schon nach zwei Mahlzeiten von der Karte rezitieren: Badrijani (Aubergine gefüllt mit würziger Walnusspaste und mit Granatapfelkernen abgerundet), Ajapsandali (Aubergineneintopf), Khachapuri (Käsebrot, die georgische Antwort auf Pizza) und Kebabi (Lammkebab) mit Tkemali (saure Pflaumensauce).

In folgende Restaurants kann man es sich kulinarisch besonders gut gehen lassen:  ElektroNika (8 Egnate Ninoshvili St) bei der Fabrika, House on Madatovi (23 Davit Aghmashenebeli Ave) – die Forelle mit Walnuss ist dort optisch und geschmacklich ein Hingucker zugleich – und das eher schicke Barbarestan (D. Aghmashenebeli ave. 132) mit sehr aufmerksamen Kellnern. Bei Sofia Melnikovas Fantastiuri Duqani (8 Gia Chanturia St) gibt es die besten vegetarischen Khinkali (georgische gedämpfte Dumplings). Schaut auch unbedingt mal im Shavi Lomi (28 Zurab Kvlividze St) vorbei und esst dort Pkhali – eine Auswahl an traditionellen Gemüsepasten aus rote Beete, Walnuss und Spinat. Bestellt auch zu jedem Essen mindestens einen georgischen Salat mit der typischen Walnuss-Koriander-Paste – er ist gesund, frisch und unglaublich lecker.

Natürlich darf zu deftigen Mahlzeiten der georgische Wein nicht fehlen. Georgien hat eine lange Weintradition, auf die die Georgier sehr stolz sind. Tatsächlich ist Georgien eines der Ursprungsländer des Weinbaus, dessen Traditionen 8000 Jahre zurückreichen. Wem nach etwas Stärkerem durstet, der sollte den Nationalschnaps Chacha probieren. Ein hochprozentiger Brandy, dessen Genuss einen Kater wohl oder übel garantiert.

Im hippen Cafe Gallery (34, Alexander Griboedov St) kann man auch gut Essen oder auch essen und trinken und wenn man weiterziehen will, kann ich die Bar meiner Freundin Nia empfehlen: Success Bar (3 Vashlovani St), die erste Gaybar in Tbilisi, wo auch ab und zu DJs auflegen.

Lachs im ElektroNika
Barbarestan
Pkhali – georgische Vorspeisenpasten im Shave Lomi
House on Madatovi
House on Madatovi

Ich hoffe ihr habt jetzt einen Riesenhunger und bucht euch sofort ein Ticket nach Tbilisi um zu sehen, was hinter dem Georgien Hype steckt. Ihr werdet es nicht bereuen!

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