Wenn ich früher an Marokko dachte, ist mir immer als erstes Marrakesch eingefallen. Ich weiß gar nicht wieso, aber irgendwie geniesst die Stadt eine gewisse Bekanntheit. Nach näheren Recherchen im Internet, befolgte ich allerdings den Rat diverser Reiseblogs möglichst wenig Zeit in Marrakesch einzuplanen. Nach sieben entspannten Stunden im Zug (Tickets kann man nur am Bahnhof kaufen, nicht online), wurden wir erstmal mit Regen begrüßt. In unserem Unterkunft (Airbnb hat übrigens einen super Kundenservice. Wir hatten vorab ein kleines Missverständnis betreffs der Zimmeranzahl, ich rief bei Airbnb an und das Problem wurde prompt mit meinem Host in Marrakesch geklärt.) angekommen, freute ich mich über mein eigenes Zimmer, die zwei Nächte davor schlief ich auf einer unbequemen Couch, da ich neben meiner schnarchenden Freundin nicht schlafen konnte. Als ich sie gefragt habe, ob sie uns nach Marokko begleiten will, wusste ich noch nicht, dass das ihr Schnarchen zu (m)einem Problem werden sollte.

dieser Farbton dominiert die Straßen von Marrakesch
regnerisches Marrakesch
Restaurant Dar Essalam

Abendessen à la Hitchcock

Zum Abendessen gingen wir ins noble Restaurant Dar Essalam, wo es neben Wein auch traditionelle Live-Musik und Bauchtanz gab, sowie eine Tänzerin, die ein brennendes Kerzentablett auf ihrem Kopf balancierte. Und es floss Wein! Alkohol ist schwer zu bekommen in Marokko, wir haben es nach diesem Restaurantbesuch auch nie wieder auf einer Karte finden können. Das Essen, es gab mal wieder das Schmorgericht Tagine, war ausgezeichnet und die Bedienung äußerst aufmerksam und auch zu dem ein oder anderen Spaß aufgelegt. Das Dar Essalam ist auch bekannt als Filmkulisse einer Szene in Alfred Hitchcocks Film „Der Mann, der zu viel wusste“. Ich bin ein großer Hitchcock Fan und hatte „The Man Who Knew Too Much“, dessen erster Teil in Marrakesch spielt, noch nicht gesehen. Nach dem Essen holte ich dies prompt nach.

Fleischer in Marrakesch
Aussicht auf den Platz Djemaa el-Fna
Jardin Majorelle

Yves Saint Laurent Museum, Jardin Majorelle und Berbermuseum

Am nächsten Tag gab es im kleinen, überdachten Innenhof des Airbnbs ein typisch marokkanisches Frühstück: frittiertes Brot, Minztee und Orangensaft. Nach dem Essen machten wir uns zu Fuss auf zum kürzlich eröffneten Yves Saint Laurent Museum. Das Museum ist nicht nur für Mode- und Designliebhaber ein Muss. Der stylische rosafarbene Museumsbau aus Granit und Ziegelstein fügt sich passend in das Bild der Stadt und der umliegenden Berge ein. Neben der Dauerausstellung zum Leben und Schaffen Yves Saint Laurents (wahnsinnige Kleider und Schmuck), gab es auch die Sonderausstellung über den marokkanischer Modedesigner Noureddine Amir. Im schicken Auditorium kann man sich einen Film über Yves Saint Laurent anschauen. Der Couturier verbrachte viele Jahre in Marokko und das zeigt sich auch in seinen Kreationen. Doch der Einfluss beruhte auf Gegenseitigkeit. Denn auch YSL hinterließ nicht nur mit seinem Museum, welches zugleich ein Kulturzentrum ist, einen bleibenden Eindruck auf Marrakesch und so wurde die Straße, auf der sich Museum befindet, nach ihm benannt. Das Highlight des Aufenthaltes in Marrakesch war definitiv der Besuch des Jardin Majorelle, direkt neben dem YSL Museum. Kauft man am YSL Museum ein Kombiticket, welches auch den Eintritt zum Musée Berbère im Jardin Majorelle beinhaltet, kann man die lange Schlange am Garten umgehen. Der Jardin Majorelle ist benannt nacht seinem ursprünglichem Eigentümer, dem französischen Maler Jacques Majorelle. Yves Saint Laurent und sein Lebenspartner Pierre Bergé kauften den Garten, bauten ihn um und hinterließen der Stadt ein grüne Oase mit gigantischen Kakteen, Palmen, einem Seerosenteich, Bambushain und zahlreichen Pflanzen aus aller Welt. Inmitten des Gartens thront in kräftigem Blau, Lieblingsfarbe von Jacques Majorelle und auch übrigens mein Lieblingsblauton, das Berbermuseum. Dort kann man etwas über den Alltag und das Handwerk des Berberfolks lernen. Besonders ein Raum ist faszinierend, er ist dem Sternenhimmel in der Wüste nachempfunden und erinnert mich an eine Installation der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama.

Berbermuseum
riesige Kakteen im Jardin Majorelle
mein Lieblingsblauton

Feilschen, Verlaufen und Verfolgtwerden

Nach dem Museum liefen wir durch die Souks, kauften ein paar Andenken und scheiterten beim Versuch zu Fälschen kläglich. Wir kauften einen gefälschten Gucci Pullover als Geburtstagsgeschenk für eine Freundin. Ursprungspreis war 50 Euro (Wucher), immerhin konnten wir ihn auf 30 Euro runterhandeln, was mir für einen gefälschten Pulli viel zu teuer scheint. Aber mir fällt Feilschen allgemein sehr schwer. Ich denke mir immer, für mich sind es ja nur ein paar Euro und ist der Mühe nicht wert. Durch Marrakesch zu laufen ist anstrengend, uns wird oft von Leuten gesagt, die Wege seien blockiert und wir sollen doch ihnen folgen um dann am Ende wahrscheinlich Geld zu verlangen. Schnell kommen wir hinter diesen Trick und können unsere Verfolger abwimmeln. Nur einmal war eine Straße dann tatsächlich blockiert und wir liefen in eine Sackgasse. Durch das Labyrinth der Gassen in der Medina zu finden, ist wirklich nervenraubend, vor allem wenn dir alle paar Meter jemand den Weg erklären oder was andrehen will. So brauchten wir erstmal eine Ruhepause. Wir tranken auf einer Terrasse mit Aussicht auf den Djemaa el-Fna Platz einen überteuerten Minztee (wahrscheinlich sind alle Cafes in der Gegend etwas teurer) und machten uns danach auf den Rückweg in unsere Unterkunft, mit einem Abstecher in das Geschäft Ets Bouchaib Complexe D’Artisanat, wo es wirklich ALLES gab, von Tassen, Besteck und Teeservice bis hin zu Teppichen, Klamotten und Schmuck und – haltet euch fest – zu FESTPREISEN. Ideal für Menschen wie mich, die es nicht mögen zu handeln. Zurück in unserem Airbnb, zauberte uns die Haushälterin Fatima ein leckeres Abendessen, dieses Mal gab es ein weiteres typisch marokkanisches Gericht: Couscous. Marokkanischer Couscous ist mit über drei Stunden Zubereitungszeit wohl eine eher aufwendige Angelegenheit, in Deutschland bereitet man das Gericht anscheinend vollkommen falsch oder abgewandelt zu. Nach dem Abendessen schlendern wir noch einmal durch das nächtliche Marrakesch und aßen Salted Caramel Crêpes im Cafe Zeitoun. Nach der zweiten und letzten Nacht in Marrakesch, verabschiede ich mich morgens auf unsere Terrasse von der Stadt, wo ich bei klarem Himmel das Atlasgebirge erblicke und dem Morgengebet, welches überall in der Stadt ertönt, zuhöre.

ein Fest fürs Auge
Savon Noire
eine Straße unseres Kasbahs

Was uns die Tage in Marrakesch kosteten
Zugticket Mèknes nach Marrakesch 1. Klasse mit Sitzplatzreservierung 28 Euro (2. Klasse 16 Euro ohne Reservierung), Airbnb 2 Nächte inkl. Frühstück 18 Euro, Taxikosten 4 Euro, Kombiticket YSL Museum, Berbermuseum & Jardin Majorelle 10 Euro, Arganölcreme 2 Euro, Postkarten und Briefmarken 8 Euro, Essen/Snacks/Getränke 35 Euro, diverse Geschenke 11 Euro = 116 Euro für 2 Tage

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