Langstreckenflüge können wirklich die Hölle für Menschen mit Rückenschmerzen sein. Das kann man aber prima umgehen, indem man einen längeren Stopover bucht. Auf der Strecke von Berlin nach Hanoi, buchte ich einen relativ günstigen Flug mit Qatar Airways. Doha liegt praktischerweise genau in der Mitte der Strecke nach Asien. Von Berlin fliegt man sechs Stunden nach Doha und dann nochmal sieben Stunden weiter nach Hanoi.

Qatar kannte ich vorher nur aus den Nachrichten. Das kleine Emirat macht eher Negativschlagzeilen, es wird dem Land nachgesagt mit Extremisten wie den Muslimbrüdern und den Hamas zu sympathisieren. Saudi Arabien verhängte 2017 eine Blockade, weil das Emirat eine zu enge Beziehung zum Erzfeind Iran unterhält. Außerdem ist Qatar als Austragungsort für die WM 2022 umstritten, weil die Stadien unter sklavenähnlichen Bedingungen von Gastarbeitern aus Indien und Bangladesch gebaut werden. Stadtmarketing wird daher ganz groß geschrieben. Qatar Airways bietet so günstige Flüge an, dass sie wahrscheinlich nichts daran verdienen und bei einem Transit der länger als sechs Stunden dauert, spendieren sie sogar ein Hotel. Und die Auswahl ist groß – von Marriott bis zum Hilton, kann man sich in eins der luxuriösen Hotels für eine Nacht einquartieren. Diese kurzen Pausen auf dem Hin- und Rückflug, in denen ich mich für ein paar Stunden schlafen legte und duschen konnte, hatten für mich den Vorteil, dass sich dieses Mal der Jetlag in Grenzen hielt.

Museum für Islamische Kunst
Palmen in Doha
Skulptur 7 von Richard Serra

Meine erste Couchsurfing Erfahrung

Da ich Anfang des Jahres sehr gute Erfahrung mit der App Showaround gemacht und dadurch Einheimische kennengelernt hatte, habe ich mich auch bei Couchsurfing angemeldet. Ich verabredete mich für Doha mit Ahmed, der viele gute Bewertungen von anderen Reisenden hatte und daher einen vertrauenswürdigen Eindruck auf mich machte.

23 Uhr ging mein Flieger von Berlin nach Qatar, wo ich 5 Uhr morgens ankam. Mein Couchsurfing Freund Ahmed, den ich bisher nur vom Schreiben kannte, holte mich großzügigerweise vom Flughafen ab. Er liebt es neue Leute kennenzulernen und nutzt Couchsurfing auch aktiv, wenn er in andere Länder reist. Auf der Fahrt in die Stadt erzählt er mir viel über Doha, seiner Arbeit als Bauingenieur, seiner Familie und seinen Reisen. Nach zwei Stunden Stadtrundfahrt setzt er mich an meinem Hotel ab und fährt zur Arbeit. Ich machte eine kleines Nickerchen im Oryx Rotana, wo mich ein kühles Zimmer und bequemes Bett erwarteten. Gegen 10 Uhr checkte ich aus dem Hotel aus und bestellte mir ein Uber zum MIA, dem Museum für Islamische Kunst. Architekt war kein anderer als I.M. Pei; andere bekannte Projekte von ihm sind der Louvre in Paris, das Deutsche Historische Museum in Berlin oder auch der (mit schlechtem Feng Shui belastete) Bank of China Tower in Hong Kong. Kunst und Kultur werden in Qatar gerade sehr gefördert, kürzlich öffnete die beeindruckende Qatar National Library von Rem Koolhaas ihre Pforten und bald wird auch das National Museum of Qatar von Jean Nouvel eröffnet.

Wenn ich an meinen Aufenthalt in Qatar zurückdenke, fällt mir als erstes gleich die Hitze ein. 42 Grad – so heiß war ich noch nirgendwo unterwegs. Schon vor Abflug machte ich mir Gedanken um meine Kleiderwahl, da Qatar ein muslimisches Land ist, hielt ich also meine Beine und Schultern bedeckt. Auf den Straßen ist auf Grund der Hitze von Leuten keine Spur. Vom Taxi zum Museum musste ich mich durch eine für mich ungewöhnliche trockene Hitzewand durchkämpfen und war froh in der Kühle des Museum anzukommen. Das Museum selbst ist kostenlos und beinhaltet eine umfangreiche Sammlung islamischer Kunst von Waffen bis hin zu Keramik und Teppichen aus vielen Jahrhunderten aus vielerlei Ländern.

Da es draußen so heiß war, kam ich zu fast nichts außer dem Museumsbesuch. Ahmed holte mich freundlicherweise nach seiner Arbeit an und fuhr mich zum Flughafen, wo ich meinen Anschlussflug nach Vietnam nahm.

Museum of Islamic Art
Eingangsbereich MIA
Fensterfront im MIA

Zweiter Transit in Doha

Auch beim zweiten Aufenthalt in Doha erwartete mich Ahmed mit einem kleinen Geschenk am Flughafen. Dieses Mal hatte er sogar Zeit für mich, Freitags ist der freie Tag in Qatar. Er zeigte mir Doha bei Nacht und setzte mich nach einer kurzen Spritztour bei meinem Hotel ab, dem Souq Waqif Boutique Hotel – auch dieses Mal auf Kosten von Qatar Airways. Eigentlich kann man mit seiner Flugnummer nur ein Hotel buchen, aber ich benutzte einfach den Code meiner Nichte, die auch einen Flug über Qatar gebucht hatte und kein Transithotel brauchte. Am nächsten Tag fuhren wir in zu Ahmeds Squash Center, wo ich einige von seinen Freunden traf. Gern hätte ich mitgespielt, hatte aber leider keine Sportsachen mit und mein Koffer befand sich eingecheckt am Flughafen. Ahmed erzählte mir bei der Gelegenheit, dass er seinen Job gekündigt hat. Unter anderem wegen der schon erwähnten fragwürdigen Baubedingungen.

Leider blieb bei den zwei kurzen Aufenthalten keine Zeit um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Mal schauen, vielleicht lerne ich ja mal irgendwann Qataris kennen, die ich über ihr Land ausfragen kann. Doha machte auf mich einen sehr wohlhabenden Eindruck und positioniert sich für den Rest der Welt als offenes Land mit einer florierenden Kunst und Kulturszene.

Souq Waqif
Khalifa International Tennis and Squash Complex
Squash

Was haben mich zwei Stopover in Doha gekostet?

Fast gar nichts. Fürs Hotel musste ich nichts zahlen und mein Couchsurfing Freund hat mich überall hingefahren. Etwas Essen hatte ich aus dem Flieger mitgenommen, das reichte zum Frühstück. Wasser gab es immer im Hotel kostenlos, kann man auch prima mitnehmen, wenn man unterwegs ist. Meine Kosten beschränkten sich auf das Uber zum Museum für 2,66 Euro und einen Yoghurt für 2,95 Euro.

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